Von Ken Kubota

31. Dezember 2018

Ein unfassbar trauriges Ereignis hat einen geliebten Menschen aus unserer Mitte gerissen. Der berühmte deutsch-jüdische Schriftsteller Edgar Hilsenrath ist gestern, am 30. Dezember 2018, im Alter von 92 Jahren verstorben. Edgar Hilsenrath – bekannt vor allem für das Werk Der Nazi & der Friseur, aber auch Nacht, Das Märchen vom letzten Gedanken und Fuck America – ist einer der bedeutendsten, wenn nicht gar der bedeutendste Schriftsteller der Gegenwart gewesen. Er hinterlässt eine Ehefrau, Marlene Hilsenrath, und einen weiteren Angehörigen, mich, Ken Kubota, der mit ihm gelebt, sich um ihn gekümmert und seine Geschäfte geführt hat.

Der Dichter Edgar Hilsenrath starb an den Folgen einer Lungenentzündung, die letztlich durch Altersschwäche bedingt war. Es verging kein Tag seines Aufenthalts im Krankenhaus, ohne dass wir – Marlene und ich – bittere Tränen vergossen.

Der plötzliche Tod trifft uns umso härter, als wir nicht damit gerechnet hatten. Erst im vergangenen Monat, im November, waren wir gemeinsam auf Einladung von Radio France Culture zum Interview nach Paris gereist, wo wir einige schöne Tage verbrachten. Natürlich war Edgar mit 92 Jahren recht alt, aber er hatte einen eisernen Lebenswillen und genoss das Leben. Regelmäßig wurde er aufgrund seines Alters unterschätzt. Er wusste immer genau, was er wollte.

Die Tage seines letzten Kampfes boten mir – unfähig, sich mit etwas anderem als Edgars Leben und Sterben zu beschäftigen – die Gelegenheit, die gemeinsamen Jahre, fast ein Jahrzehnt des Zusammenlebens, gedanklich Revue passieren zu lassen. Dieser Text ist das Ergebnis. Galt bisher die Leitlinie, das Privatleben nicht nur von Edgar, sondern auch von Marlene und mir zu schützen, so ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, einige persönliche Worte zum Leben des Dichters zu verlieren. Gilt grundsätzlich die Regel, keine Informationen preiszugeben, so hat nun die Öffentlichkeit einen gerechtfertigten Anspruch, zwar nicht über laufende, aber über vergangene Projekte, gelungene und gescheiterte, etwas zu erfahren, die Aufschluss über die Bedeutung des Werks geben. Das längst weltweite Renommee dieses Schriftstellers gebietet es auch, nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch die Weltöffentlichkeit umgehend zu informieren.

Wir haben drei Fotos aus dem vergangenen Monat ausgewählt, die Edgar zeigen, wie er war. Sie entstanden alle in Paris. Edgar liebte das Leben und hätte gewollt, dass die Nachwelt ihn so in Erinnerung behält.

Edgar Hilsenrath mit Eva Requena in Paris, November 2018

Diejenige, die das Vorrecht hätte, gemeinsam mit Edgar abgebildet zu werden, ist seine langjährige treue und teure Freundin Susanna Amirkhanyan, die in Deutschland lebende Armenierin, die hier sein Werk entdeckte und sich stets um ihn kümmerte, in Armenien und in Deutschland. Sie kannte Edgar schon lange vor uns. Ihre Tochter Anna Karabekyan begleitete Edgar und mich ebenfalls einmal bei einer Reise nach Paris, als Marlene verhindert war. Da Susanna im November in Paris nicht dabei war, fiel die Wahl auf zwei andere Fotos, mit Frédéric Martin und Eva Requena. Unser französischer Verleger Frédéric sorgte für Edgars überragenden Erfolg in Frankreich und war in allem stets ein vertrauenswürdiger und zuverlässiger Freund, weit über die Pflichten eines Geschäftspartners hinaus. Immer das Beste für den Autor im Blick sorgte er dafür, dass Edgar momentan in Frankreich vielleicht sogar berühmter ist als in Deutschland. Wir waren gerade nach einer langen Autofahrt in Paris angekommen, und Edgar war etwas müde. Marlene meinte, ich solle ein gemeinsames Foto von Edgar und Frédéric machen, was ich auch tat. Eva Requena steht stellvertretend für all die Bewunderer von Edgar. Für ein internationales Theaterprojekt kam sie mit einem kleinen Team extra aus Spanien nach Paris, um Videoaufnahmen von einem Interview mit Edgar zu drehen. Es war rührend anzusehen, wie für die begeisterten Anhänger ein Traum in Erfüllung ging, den Meister selbst ausführlich zu seinem Werk interviewen zu können. Schon am 6. November, also zwei Tage vor der Begegnung, schrieb sie im Internet: „I am in love with Dostoyevsky, everybody knows. But on Thursday I will cheat on him with Edgar Hilsenrath – I can’t wait meeting you !!“ Dieses Interview und das Interview mit Radio France Culture im November 2018 in Paris waren seine letzten. Davor hatte Edgar im Juli einem italienischem Journalisten, der von der Zeitung eigens nach Frankfurt eingeflogen wurde, ein ausführliches Interview gegeben. Eine besondere Begegnung war die mit der Schauspielerin und Sängerin Katja Riemann im September in Montabaur, von der ebenfalls ein Foto hier abgebildet ist. Katja hatte Edgar erst kürzlich entdeckt und bemerkte bei der Begegnung treffend, Edgar sei seiner Zeit voraus gewesen. Da Edgar mit der modernen Technik sich nicht anfreunden wollte – Computer und Handys waren nicht seine Sache –, war es meine Aufgabe, ihm Katjas viele Ausdrücke der Verehrung für Edgar und sein Werk, die dann regelmäßig auf meinem Handy eintrafen, zu präsentieren und seine Antwort zurückzusenden, wie die letzte vom 6. Dezember: „Oh, schön.“

Edgar Hilsenrath mit Katja Riemann in Montabaur, September 2018

Bevor auf Edgars Werk eingegangen wird, möchte ich aus seinem Leben erzählen.

Die Stationen des Lebens von Edgar Hilsenrath bis einschließlich seiner Berliner Zeit sind hinlänglich bekannt, auf seiner Homepage beschrieben und seien hier nur kurz skizziert. 1926 geboren musste er mit seiner Mutter 1938 vor den Nazis aus Deutschland zu den Großeltern nach Rumänien in die Bukowina fliehen. 1941 wurde er in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine deportiert, das er überlebte. Er war Holocaust-Überlebender, aber kein KZ-Häftling gewesen. Das Leben im Ghetto bedeutete, mit anderen Juden in eine Stadt eingesperrt zu sein, die nach außen hin abgeriegelt war, sodass auch keine Nahrungsmittel in die Stadt gelangten. Die Menschen starben an Hunger und Krankheit.

Edgar hatte stets Glück im Unglück. Aufgrund eines Empfehlungsschreibens bekam seine Familie im Ghetto einen Platz in einem Schulgebäude zugewiesen, sodass er nicht obdachlos war, was die Überlebenschancen deutlich erhöhte. Mit den in der Kleidung eingenähten Wertgegenständen konnte ein Schmuggel begonnen, also heimlich Lebensmittel in die Stadt geschleust werden. Bei einer unserer ersten Begegnungen – damals konnte er mit dem Rollator noch selbständig die Wohnung verlassen und mittellange Strecken gehen, also besuchten wir ein nahe gelegenes Restaurant – erzählte er mir auf dem Weg, wie er und andere Jugendliche von den Soldaten erwischt wurden, als sie heimlich das Ghetto verlassen hatten, und eine Stunde vor einem Maschinengewehr ausharren mussten. Er wurde nicht erschossen. Die rumänischen Soldaten waren nicht so schlimm wie die deutschen. Als die Rote Armee die Juden befreite, drohte ihm die Gefahr, in ein Arbeitslager in der Sowjetunion deportiert zu werden. Ein findiger Ghettobewohner kam auf die Idee, Edgars Ausweispapier zu fälschen. Er machte an die letzte Ziffer im Geburtsjahr 1926 einen Bogen, sodass daraus 1928 wurde, Edgar also zwei jünger, unter 18 Jahre alt erschien. Sehr wahrscheinlich hat ihm auch dies das Leben gerettet.

Nach der Rückkehr in die Bukowina folgten Stationen in Palästina, Lyon und schließlich New York, wo er etwa 25 Jahre lang lebte, obwohl er dort allein und unglücklich war. 1975 kehrte er wegen der deutschen Sprache nach Deutschland zurück und lebte lange in Berlin. Sein umfangreiches Werk umfasst zehn Bände. Unveröffentlicht ist lediglich eine kurze Erzählung „Die große Lesbe“. Wenn ich ihn fragte, ob er noch etwas schreiben wolle, sagte er sehr entscheiden und ohne weiter zu überlegen: „Ich schreib’ nichts mehr.“ Alles, was er schreiben wollte, ist geschrieben.

Meine eigenen Erfahrungen mit Edgar muss ich ausführlicher schildern. Es geht dabei nicht um meine Person. Aber da ich etwa ein Jahrzehnt lang wie ein Familienangehöriger mit ihm zusammen in einem Haushalt gelebt habe und sein uneingeschränktes Vertrauen genoss, ist unser Leben untrennbar verknüpft.

Persönlich kennengelernt habe ich Edgar im Jahr 2005, als seine erste Ehefrau, Marianne, bereits verstorben war. Ein Dozent hatte in einem Seminar an der Universität den Hinweis auf Edgars Werk Der Nazi & der Friseur gegeben. Bei der Lektüre war ich sofort begeistert und entschied, mein Studium mit einer Arbeit über dieses Werk abzuschließen. Ich führte ein Interview mit Edgar, das 2005 in der Berliner Stadtzeitung scheinschlag erschien. Edgar bat mich bald um verschiedene Gefallen, und so verfasste ich einige Briefe für ihn. Schließlich rutschte ich in die Rolle des Bevollmächtigten, als sich herausstellte, dass der bisherige Bevollmächtigte und frühere Verleger von Edgar, Helmut Braun, einen großen Geldbetrag, der Edgar zustand, auf ein eigenes Konto (bzw. das einer nahen Verwandten) überweisen ließ. Sehr aufgeregt ging Edgar mit dem Rollator durch die Wohnung und rief empört: „Der Braun ist ein Betrüger!“

Kurz später stellte sich heraus, dass Helmut Braun nicht der einzige Problemfall in Edgars Umgebung war. Der damalige Bevollmächtigte Helmut Braun und der damalige Verleger Volker Dittrich konkurrierten und hielten sich gewissermaßen gegenseitig in Schach. Als Edgar Helmut Braun die Vollmacht entzog und dieser als Gegenpart wegfiel, schien Dittrich sich sicher zu fühlen. Obwohl ihm als Verleger nur die deutschsprachigen Rechte eingeräumt waren und für die fremdsprachigen Rechte die literarische agentur mertin in Frankfurt zuständig war, gab er sich als Inhaber der Rechte auch für andere Sprachen aus und vergab auf eigene Faust diese fremdsprachigen Rechte (die er nicht hatte), um die Einnahmen daraus, die eigentlich Edgar zustanden, zu kassieren. Dies flog schnell auf, und da ich als Bevollmächtigter auch sorgfältiger war als mein Vorgänger Braun, fielen auch falsche Abrechnungen des Dittrich Verlags auf.

Das hohe Maß an krimineller Energie von Braun und Dittrich kamen uns letztlich zugute. Ein Richter, ich glaube, es war in einem Gericht in Köln, war besonders empört, weil Braun in einem Brief Edgar gegenüber bestätigte, er sei nicht mehr bevollmächtigt, aber später schriftlich Dittrich anbot, das Gegenteil unter Eid zu behaupten. Bei der Kündigungsklage gegen Dittrich am Landgericht Berlin konnten wir schließlich sogar schriftlich nachweisen, dass Braun und Dittrich die Richter im Gerichtsverfahren belogen hatten. Dies und die falschen Abrechnungen führten wohl letztlich zur Auffassung der Richter, dass die Klage berechtigt sei. Unter dieser Vorgabe musste Dittrich schließlich einem Vergleich zustimmen, sodass die Rechte am Werk an Edgar zurückfielen.

Nun stellte sich die Frage, wo künftig die deutschsprachigen Ausgaben verlegt werden sollten. Die Erfahrung mit Dittrich, aber auch mit anderen Verlagen – so verhielt der Taschenbuchverlag dtv sich dem Autor gegenüber nicht so loyal, wie man es sich wünschen würde – ließ mich vorsichtig werden. Die Hürden für eine erfolgreiche Kündigungsklage gegen einen Verlag sind sehr hoch, da enorme Summen für den Buchdruck investiert werden müssen. Selbst bei einem ähnlich dreisten Vorgehen wie dem von Dittrich bei einem anderen Verlag wäre es nicht sicher, ein Gerichtsverfahren zu gewinnen, von dem Aufwand ganz abgesehen. Im schlimmsten Fall wäre man von einem problematischen Geschäftspartner abhängig und hätte ein andauerndes Ärgernis. Inzwischen war jedoch der Aufwand für den Buchdruck aufgrund der fortgeschrittenen Technik deutlich gesunken, und so stand schnell fest: Wir machen das selbst. So wurde ich zum Verleger. Auch das hätte ich mir niemals träumen lassen – Verleger zu werden –, denn eigentlich bin ich Philosoph und Wissenschaftler.

Ein bemerkenswertes Erlebnis war die Neuausgabe von Das Märchen vom letzten Gedanken, das Werk über den Völkermord an den Armeniern. Das Werk berührte die Lektorin, die die Druckfahne vor dem Druck Korrektur las, so sehr, dass sie nur unter Tränen ihre Arbeit fertigstellen konnte. Als wir dann auch das Werk ins Englische neu übersetzen ließen, berichtete die Übersetzerin ebenfalls, sie habe während ihrer Tätigkeit weinen müssen.

Die englischsprachige Ausgabe von Der Nazi & der Friseur machte ich zur Chefsache und erledigte die Texterfassung selbst. Jeder einzelne Buchstabe ist von mir eingetippt und dann noch einmal verglichen worden. Bis heute sind nur zwei Tippfehler gefunden worden. Der amerikanische Verlag hatte das Werk 1971 einmalig gedruckt und danach nicht weiter beworben. Erst mehr als vierzig Jahre später wurde es wieder in englischer Sprache lieferbar und steht nun weltweit rd. 7,5 Mrd. Menschen zur Verfügung. Aus rechtlichen Gründen fungierte zunächst Edgar als Verleger – sein Verlag hieß Barber Press –, bevor ich den Titel in meinen Verlag, den Eule der Minerva Verlag (bzw. Owl of Minerva Press), übernahm.

Edgar Hilsenrath und Frédéric Martin (re.) in Paris, November 2018

Der objektiven Bedeutung von Edgar Hilsenrath war ich mir stets bewusst. Edgar ist nicht nur einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller, sondern war wahrscheinlich der bedeutendste Schriftsteller der Gegenwart überhaupt. Paul Beatty, der als erster US-amerikanischer Schriftsteller den wichtigsten britischen Literaturpreis erhielt, erstellte ein Radiofeature zu Edgars Der Nazi & der Friseur. Valérie Manteau, die im November den bedeutendsten französischen Literaturpreis erhielt, ist wegen Edgar bei demselben französischen Verlag, was sowohl unser Verleger, Frédéric, als auch Valérie selbst an dem Abend in Paris erzählten. Die Ankündigung des Preises geschah just an dem Abend, als wir in Paris eintrafen, sodass der Verlag spontan eine Feier im Hof organisierte, wo das Foto mit Frédéric entstand. Herta Müller, die Edgar schon lange kannte, bevor sie 2009 den Nobelpreis für Literatur erhielt, verfasste 2011 ein Nachwort für die chinesische Ausgabe von Der Nazi & der Friseur. Professoren aus aller Welt übersetzen aus Freude an dem Werk Titel in fremde Sprachen. Andrew White, der früh verstorbene Übersetzer von Der Nazi & der Friseur ins Englische, war damals Professor im Raum New York. Prof. Akira Morita übersetzte das Werk ins Japanische. Fuck America wurde gleich von zwei Professoren unabhängig voneinander ins Englische übersetzt, von Prof. Peter Stenberg in Kanada (noch unveröffentlicht) und von Prof. Astrid Klocke in den USA. Auszüge aus Edgars Werk waren Prüfbestandteile im französischen Abitur. Edgar ist der Lieblingsschriftsteller des (inzwischen verstorbenen) Satirikers Dieter Hildebrandt, des Schauspielers Jan Josef Liefers und der Schauspielerin und Sängerin Katja Riemann. Vom armenischen Präsidenten erhielt er 2006 einen Preis für Das Märchen vom letzten Gedanken. Briefe vom Bundespräsidialamt waren schon lange keine Besonderheit mehr. Ich erinnere mich auch an eine Einladung des französischen Präsidenten. Letztlich war die herausragende Bedeutung von Edgar Hilsenrath auf die künstlerische Verfahrensweise der Groteske zurückzuführen, die adäquate Gestaltung dessen, was Karl Marx den „unvermittelbaren Gegensatz“ nannte, den Antagonismus in Kapitalismus (und Faschismus). Dies hielt ich in einem 2009 veröffentlichten Aufsatz fest: „Die künstlerische Gestaltung des unvermittelbaren Gegensatzes ist die Groteske und deren Meister Edgar Hilsenrath.“ (Ken Kubota, „Die dialektische Darstellung des allgemeinen Begriffs des Kapitals im Lichte der Philosophie Hegels“, doi: 10.4444/100.100.de, S. 217 Fn. 70; vgl. auch [Wagenknecht, 2013a, S. 152 f.].)

Eine Möglichkeit, dem Werk in der Öffentlichkeit größere Beachtung zu verschaffen, ist eine Verfilmung. Schon lange vor meiner Zeit hatte es mehrere Anläufe gegeben. Eine nicht unerhebliche Summe scheint Edgar früher durch Optionen auf Verfilmungen verdient zu haben, aus denen dann nichts wurde. Der jüdische Filmproduzent Artur Brauner hielt Der Nazi & der Friseur für unverfilmbar. Der vielversprechendste Ansatz war das Projekt des Filmproduzenten David Groenewold, der Edgar gegenüber stets sehr großzügig war und sich ihm bis zum Ende verpflichtet fühlte. Erst unlängst, im vergangenen Oktober, hat er für uns einen Kontakt herzustellen versucht. Edgar hatte bereits Davids Eltern gut gekannt. Wir trafen uns damals regelmäßig, ein Drehbuch für eine Verfilmung von Der Nazi & der Friseur entstand. Doch dann kam die Sache mit dem Bundespräsidenten dazwischen. David war mit dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff befreundet, der zu diesem Zeitpunkt bei der Pressemilliardärin Springer in Ungnade fiel. Die Springer-Presse (Bild, Welt) lieferte die Vorlage für eine Medienkampagne gegen Wulff, die übrige opportunistische Pressemeute in Deutschland machte natürlich mit. Aufhänger war die Freundschaft des Bundespräsidenten mit dem schillernden Filmproduzenten, die eine Vorlage für jedwede Phantasie und Ausschmückung bot. Die Anschuldigungen waren freilich nicht haltbar, wie auch das Gerichtsverfahren bestätigte, doch das Ansehen ramponiert und die Rahmenbedingungen nun schlecht. Später versuchten wir es noch einmal erneut. Unsere Vision war eine klassische Tarantino-Waltz-Produktion: Einige Dialoge in dem Film Django Unchained ähnelten der Groteske in Edgars Werk. Bei einem Treffen sagte Christoph Waltz über einen Mittelsmann David zu, die Hauptrolle in einer Verfilmung von Der Nazi & der Friseur zu übernehmen. Der Schauspieler und Oscar-Preisträger Christoph Waltz bezeichnete in dem Gespräch die Hauptrolle, die Rolle des Massenmörders Max Schulz, als „juicy rôle“, als eine saftige Rolle. Max Schulz: „Wissen Sie, wie man 30 000 Juden in einem Wäldchen erschießt? Und wissen Sie, was das für einen Nichtraucher bedeutet? Dort hab’ ich das Rauchen gelernt.“ Der Schauspieler und Komiker Bastian Pastewka muss damals Wind davon bekommen haben. Zwar verklausuliert, aber doch für den Eingeweihten klar durchschaubar präsentierte Pastewka 2013 auf der Internetpräsenz des Fernsehsenders SAT1 eine bis heute abrufbare Bildergalerie mit folgendem Text: „Managerin Regine hat eine Anfrage vom Kölner Literaturfestival ‚Lit.Cologne‘ bekommen und Bastian (Bastian Pastewka) ist Feuer und Flamme: er soll vor Publikum zusammen mit Christoph Waltz aus dem satirischen Buch ‚Der Nazi und der Friseur‘ lesen. Um bis dahin nicht zu erkranken, trifft er ganz besondere Maßnahmen …“ Das Projekt war streng geheim, daher kommentierten wir den Vorgang nicht, um keine Aufmerksamkeit zu erzeugen, und bis heute war dies erfolgreich. Aber die Situation war wegen der Medienkampagne gegen den Bundespräsidenten, die auch David traf, zu vertrackt, das Filmprojekt klappte nicht. In einem weiteren Anlauf kontaktierten wir noch einmal später im Alleingang den Regisseur Quentin Tarantino, der leider absagte.

Ein zuverlässiger Indikator für den wachsenden Erfolg sind die zunehmenden Theateraufführungen. Als Edgar 2009 mir die Verantwortung für sein Werk übertrug und mich bevollmächtigte, hatte es in der Vergangenheit zwar einige Theateraufführungen gegeben, doch gab es keine aktuellen Anfragen zu Theaterrechten. Aktuell – fast zehn Jahre später – vergeht fast kein Monat ohne Theateraufführungen in Frankreich, Deutschland oder den Niederlanden, und Anfragen aus weiteren Ländern häufen sich.

Auch im Alltag war Edgar Hilsenraths Bekanntheitsgrad omnipräsent. Wir hatten einmal in einem jüdischen Restaurant auf den Namen „Hilsenrath“ reserviert. Die vermutlich nichtjüdische junge Kellnerin fragte mit zitternder Stimme, ob er Edgar Hilsenrath sei. Bei der Telekom meldete ich einmal unseren Anschluss um, und der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung fragte, ob das der Anschluss des berühmten Schriftstellers Edgar Hilsenrath sei. Als wir Edgar wegen einer kleineren Verletzung – er war gestürzt – in das Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin brachten, kam aus dem Blutlabor die Rückfrage, ob es sich um „den“ Edgar Hilsenrath handele.

Seit einigen Jahren lebten wir im ländlichen Rheinland-Pfalz. Lieferte ich beim nächstgelegenen Postamt Sendungen ein, so verzog die Postbeamtin bei Briefen an das Bundespräsidialamt keine Miene, aber beim Päckchen an Quentin Tarantino konnte sie sich dann doch die Frage nicht verkneifen, ob es sich um den bekannten Regisseur handele.

Edgar war ein Schlawiner. Galt ein Kompliment ihm, so tat er stets so, als ob er es nicht gehört hätte, setzte eine unschuldige Miene auf und fragte „Wie?“, um dann das Kompliment ein zweites Mal serviert zu bekommen. Er erzählte einmal, wie er in Amerika, wo er nur geringfügige Tätigkeiten übernahm, um sich auf das Schreiben zu konzentrieren, und entsprechend wenig Steuern zahlte, von der Steuerbehörde vorgeladen wurde, vor der er großen Respekt hatte. Er besorgte sich eine alte Handwerkskluft und ging so zum Finanzamt. Kaum war er hereingerufen, winkte der Finanzbeamte, als er ihn so sah, ab, und sagte, er könne wieder gehen. Die Strategie hatte funktioniert.

Es war ein ungeheures Privileg, mit einem der bedeutendsten Schriftsteller – oder vielleicht dem bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart überhaupt – zusammenzuleben. Ich konnte ihn fragen, ob er tatsächlich, wie in Fuck America erzählt, seinem Mitbewohner Eier aus dem Kühlschrank geklaut hat, oder sogar im Restaurant aus dem Fenster der Toilette kletterte, um die Rechnung nicht begleichen zu müssen. Das alles war frei erfunden. Vor wenigen Wochen erst fragte ich ihn, ob er sich die Friseurutensilien („drei Arten von Streichriemen“, z. B. „den ‚Handstreichriemen‘ aus Juchtenleder“) ausgedacht hatte. Nein, er hatte in Amerika in Lehrbüchern für Friseure recherchiert. Hatte er tatsächlich, wie im Buch Berlin … Endstation beschrieben, bei seiner Freundin in New York ein Stück Band über die Türspalte geklebt, um zu testen, ob sie nachts nicht in ihre Wohnung kam und ihn betrog? Ja, hatte er tatsächlich. Und er hatte sich dann auch von ihr getrennt, als am nächsten Morgen anhand des Klebebands zu erkennen war, dass sie in der Nacht überhaupt nicht in ihrer Wohnung gewesen war.

Edgars Leben war von seinem Werk geprägt. Schon seine erste Ehefrau, Marianne, war eine glühende Verehrerin seines Werks und lernte ihn so kennen, mit Marlene, seiner zweiten Ehefrau, die er nun hinterlässt, war es genauso. Er lernte sie bei einem Symposion zu seinem Werk in der Berliner Akademie der Künste kennen. Im Alltag variierten wir oft Sprüche aus seinem Werk. Ich ermahnte ihn gelegentlich, darauf aufzupassen, nicht zu stürzen (da ein Knochenbruch in seinem Alter nicht oder nur schwer heilen würde). Du willst doch noch alt werden, scherzte ich. Die entsprechende Stelle in Das Märchen vom letzten Gedanken lautet: „Dabei bist du gar nicht alt, Thovma Khatisian. Jahrgang 1915. Du bist 73. Ein junger Schnösel, der noch voller Kraft gegen den Wind pissen müßte. Was ist nur los mit dir?“ Ich hoffte, er würde deutlich über 100 Jahre alt werden. Es sollte anders kommen.

Edgar war ein begnadeter Künstler, aber kein Intellektueller. Ich schenkte ihm zu Beginn unserer Freundschaft ein Exemplar von Adornos Essaysammlung Minima Moralia. Er gab zu, dass sie ihm zu schwer sei. Ich erklärte ihm, dass sein Stilmittel das der Groteske und nicht das der Ironie in der Satire sei, und zeigte ihm den entsprechenden Essay bei Adorno. Einige Zeit blieb ihm dies präsent, aber schon bald gebrauchte er wieder oft das Wort „Satire“. Auf intuitive Weise konnte Edgar künstlerisch schreiben, aber seine künstlerische Verfahrensweise selbst nicht erklären. In Bezug auf Kafka schrieb Adorno einmal sinngemäß: „Der Künstler ist nicht gehalten, das eigene Werk zu verstehen, und man hat besonderen Grund zum Zweifel, ob Kafka es vermochte.“ (Adorno, Gesammelte Schriften, Bd. 10.1, S. 256.)

Eine Besonderheit des Werks von Edgar Hilsenrath ist, dass es einerseits von höchster künstlerischer Qualität, aber zugleich einfach zu rezipieren, also für die breite Masse der Bevölkerung gut lesbar ist. Mein (inzwischen verstorbener) Freund Heinz-Klaus Metzger, ein renommierter Musiktheoretiker, der mit Adorno befreundet war – der Briefwechsel Adorno-Metzger ist wohl nach wie vor unveröffentlicht –, drückte es einmal so aus: Edgar verwende Alltagssprache als künstlerisches Material.

Edgar liebte die deutsche Sprache, aber nicht Deutschland. Nur wegen der Sprache kehrte er zurück, in der er schrieb und in der er schreiben wollte.

Edgar hatte zwar jüdische Wurzeln, war aber Atheist, wie Albert Einstein. Er glaube an keinen Gott, war seine stets unveränderte Position. Es gibt die Schlussszene in der englischsprachigen Ausgabe von Der Nazi & der Friseur, in welcher der Protagonist Gott fragte, wo er beim Holocaust gewesen sei. In der deutschsprachigen Ausgabe ließ Edgar diese Szene streichen, weil er das deutsche Volk nicht von der Schuld entlastet wissen wollte.

Edgar war Zionist, aber kein Dogmatiker. Als ich ihn wegen der Diskriminierung der Palästinenser einmal zur Rede stellte, so räumte er ein, auch er wisse, dass die Araber unfair behandelt würden. Er sehe aber keine wirkliche Lösung des Problems, und so sehe er auch keinen anderen Weg. Zugleich war mir bewusst, dass er als jüdischer Holocaust-Überlebender einen instinktiven Überlebensreflex hatte, der auch in seiner Argumentation zugunsten des jüdischen Staates zum Ausdruck kam.

Edgar Hilsenrath war ein großer Verehrer der Politikerin Sahra Wagenknecht, die er auch im Wahlkampf unterstützte. Ich riet ihm zu, weil ich die wissenschaftliche Brillanz von Sahra Wagenknecht beurteilen konnte. Ich hatte ihre Magisterarbeit gelesen (vgl. meine philosophische Bibliographie, S. 1 und S. 9). Das Hegel-Kapitel zeugt von einem vollständigen Verständnis von Hegels Wissenschaft der Logik, des komplexesten und bedeutendsten Werks der Philosophiegeschichte, das seit meinem Studium – und schon davor – auch einen meiner zentralen Forschungsschwerpunkte darstellt (und zugleich die methodologische Grundlage für das Hauptwerk eines gewissen Karl Marx, Das Kapital, die berühmte Analyse des Kapitalismus, den Adorno auch oft als „Tauschgesellschaft“ bezeichnete). Mit anderen Worten: Schon als Studentin übertraf Sahra Wagenknecht mühelos die allermeisten Philosophieprofessoren einschließlich derer, die offiziell für Hegel zuständig sind.

Edgar war Einzelgänger und verachtete Klüngel. War in meinem Studium der Germanistik neutral von einer „Gruppe 47“ die Rede, so sagte Edgar in einem Interview: „Die Gruppe 47 ist eine Mafia.“ Kann man sich einen erstklassigen Schriftsteller wie Goethe als Teil einer Schriftstellergruppierung vorstellen? Schwerlich.

Die Rolle von Verlagswesen, Presse, Rundfunk und Fernsehen in Deutschland in Bezug auf Edgar Hilsenrath lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sie haben allesamt kläglich versagt.

Der Kindler Verlag veröffentlichte 1964 zwar Edgars Werk Nacht, ließ es aber aufgrund der verlagsinternen Opposition untergehen. Es galt das philosemitische Stereotyp der Nachkriegszeit: Juden sollten als Helden dastehen. Edgar hat immer wieder betont, dass Philosemitismus dasselbe wie Antisemitismus ist, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Das Stereotyp soll nicht bloß umgekehrt, sondern aufgehoben werden. Die Juden im Ghetto, wie Edgar sie in Nacht schildert, sind gute und schlechte Menschen wie andere auch.

Gegen den Suhrkamp Verlag hegte er einen großen Groll, weil dieser auf seine Anfragen nie reagiert hatte. Im Nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich der größte historische Fehler des Suhrkamp Verlags, Edgar Hilsenrath nicht als Autor gewonnen zu haben.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte Reich-Ranicki zum Literaturpapst erhoben, und dieser boykottierte Edgar. Bei einer Veranstaltung mit ihnen beiden als Podiumsdiskussionsteilnehmern habe, so erzählte Edgar, Reich-Ranicki gesagt, das Genie, das den Holocaust als Satire schildere, gebe es nicht. Edgar erwiderte, was, wenn genau er dies mit Der Nazi & der Friseur geleistet hätte. Daraufhin kam keine Antwort. Offenbar hatte Reich-Ranicki Der Nazi & der Friseur überhaupt nicht gelesen und wollte das Werk auch nicht lesen. Während meines Studiums erlebte ich in einem vollbesetzten Germanistik-Seminar in Berlin mit vielleicht 50–70 Studentinnen und Studenten, wie alle kicherten, als der Name Reich-Ranicki fiel. Er wurde akademisch überhaupt nicht ernstgenommen. Edgar drückte dies deutlicher aus. Einmal fiel mir beim Tragen eines Kartons von Edgar eine Kopie eines Zeitungsartikels mit einem Interview mit Edgar in die Hände. Die Überschrift war ein Zitat aus dem Interview: „Reich-Ranicki ist ein Idiot.“

Wenn nicht die Presse Edgar gewaltsam unter andere jüdische Autoren einreihte, nur weil er jüdische Wurzeln hatte, so wurde er meist nicht verstanden oder gar ignoriert. Es war manchmal eine verkehrte Welt. Eine Reporterin der Berliner Ausgabe der Bild entpuppte sich als allergrößte Verehrerin von Edgar, ihre Hand mit dem Mikro zitterte beim Interview. Als umgekehrt in der Dittrich-Affäre dieser im Rahmen einer Vorwärtsverteidigung Diffamierungen verbreitete, manipulierte der Spiegel massiv gegen Edgar, und der Deutschlandfunk hetzte in bevormundender Weise mit. Die opportunistische Grundhaltung des Deutschlandfunks wurde endgültig besiegelt, als trotz Bekanntwerden des Verhaltens von Dittrich und der ohnehin offenkundigen und durchschaubaren Hetze diesem auch noch die Gelegenheit gegeben wurde, ein eigenes Buch über ein vormals jüdisches Haus zu präsentieren. Wer möglichst plump und schematisch aufgesetzten Philosemitismus gemäß der offiziellen Staatsraison betreibt, wird beim Deutschlandfunk hofiert, auch wenn er strukturell antisemitische Denkmuster bedient. In Der Nazi & der Friseur heißt es zwar nicht „Radio ‚Reuiges Vaterland‘“, aber „Zeitung ‚Reuiges Vaterland‘“. Auch dies hatte Edgar in seinem Werk vorausgesehen.

Presse und Rundfunk in Deutschland konnten wir schon sehr bald nicht mehr ernst nehmen, und die Presseleute waren uns zuwider. Obwohl ein einziger Klick auf Edgars Homepage zu Marlenes Homepage gereicht hätte, um festzustellen, dass Edgar und Marlene in der Vulkaneifel leben, schrieb die Presse anlässlich der obligatorischen Artikel zum 90. Geburtstag mechanisch weiter, Edgar lebe in Berlin, was uns ein wenig amüsierte.

Sie alle – die deutschen Leitmedien – betreiben heute gezielt Kriegshetze (Feindbildaufbau) vor allem gegen Russland und verbreiten fortgesetzt die Annexionslüge in Bezug auf die Krim, obwohl es sich um eine Separation handelt, die zudem vornehmlich das Ergebnis westlicher Einflussnahme in der Ukraine ist. Sie verbreiten das Ammenmärchen von den angeblichen russischen Hackerangriffen und der angeblichen russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf, das die US-Demokraten in die Welt gesetzt haben. Auch die Krise in Syrien ist zu einem wesentlichen Teil auf westliche Einflussnahme zurückzuführen. Die deutsche Bevölkerung soll auf Krieg eingestimmt werden. Edgar hat solche Entwicklungen, auch den gegenwärtigen Rechtsruck, in seinem Werk geahnt und vorweggenommen: „Berlin ist kaputt. … Eines Tages werden sie die Stadt wieder aufbauen. Ich sehe das kommen. Und ganz Deutschland. Sie werden alles wieder aufbauen. Und dann … ja dann … holen sie vielleicht den Führer vom Himmel zurück.“

Edgar Hilsenrath mit Laurent Maindon, Eva Requena und Meriem Lahboub in Paris, November 2018

Abschließend muss Dank all denen ausgesprochen werden, die dem Werk und auch der Person Edgar Hilsenrath bis zum Ende treu blieben. Die folgende Liste ist vorläufig und wird voraussichtlich noch erheblich ergänzt werden.

Die mit Abstand größte Leistung ist die seiner Frau Marlene Hilsenrath, die ihn jahrelang aufopfernd gepflegt hat. Ohne ihren unermüdlichen, täglichen und aufzehrenden Einsatz, der selbst ihren Tagesablauf vorgab, wäre Edgar ein geborgenes und selbstbestimmtes Leben im Alter nicht möglich gewesen. Erst recht wären die Reisen nach Israel, Paris, Amsterdam oder auch nur innerhalb Deutschlands, etwa zur Theateraufführung in Konstanz oder zur Preisverleihung in Heidelberg, nicht möglich gewesen. Die stabilen Gesundheitswerte des Langzeitdiabetikers hatte sie immer gewährleistet. Aber auch bei allen wesentlichen strategischen Entscheidungen hinsichtlich des Werks war ihre Einschätzung von hoher Bedeutung. Niemand kannte Edgars Bedürfnisse so gut wie sie, und Edgars erste Frage lautete immer: „Wo ist Chiara?“ („Chiara“ war Marlenes Rufname.)

Neben seiner Frau Marlene (und meiner Person) waren Edgar Hilsenrath bis zum Ende treue Weggefährten: Susanna Amirkhanyan und ihre Tochter Anna Karabekyan, Frédéric Martin, Jahn-Rüdiger Albert, Jan Hoff, Simone, Ruth Leitner, Luis Leitner, Nadja Chahed, Sarah Chahed, Setare Raissi, Anajat Raissi, Amin Chahed, David Groenewold, Momcilo „Moma“ Mrdakovic, Lyudmyla Lenchytska, Jordi Roca und Petra Masky sowie Nicole Witt von der literarischen agentur mertin, und Helmut Richter und Sabine Trott von der Buchauslieferung SOVA.

Ein herzlicher Dank gilt den Übersetzern Prof. Peter Stenberg, Prof. Akira Morita, Prof. Astrid Klocke, Nivene Raafat, Elly Schippers und Ni An.

Ein besonderes Lob gilt Edgars Rechtsanwalt Jahn-Rüdiger Albert, der sehr erfolgreich Edgars Interessen vertreten hat. Edgar sagte wörtlich am 6. Juni 2012: „Dieser Rechtsanwalt ist unbezahlbar.“ Da ein solches Lob selten von Edgar zu hören war, hatte ich es sofort in einer Email festgehalten.

Ein besonderer Dank gilt den Ärztinnen und Ärzten der Intensivstation im Krankenhaus Wittlich, insbesondere Herrn Dr. Jashari und Frau Dr. Franzen, den Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern sowie den weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Intensivstation, die alle zusammen Edgar Hilsenrath eine hervorragende medizinische Behandlung zuteil werden ließen, ihm einen würdigen und schmerzfreien Abschied ermöglichten und den Angehörigen vorbildlich zur Seite standen.

Von Kondolenzschreiben, Nachfragen und Besuchen bitten wir abzusehen.

Das letzte Wort soll Edgar Hilsenrath vorbehalten bleiben. Ich zitiere aus dem Schluss von Fuck America:

„Interviewer: ‚Herr Bronsky. Haben Sie dem deutschen Volk irgend etwas zu sagen?‘
Bronsky: ‚Den Alten hab’ ich nichts zu sagen. Die wissen Bescheid.‘
Interviewer: ‚Und den Jungen?‘
Bronsky: ‚Den Jungen möchte ich sagen, daß sie mein Buch lesen sollen.‘“

 

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